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NIM nanosystems initiative munich
Meldung

Freitag, 19. Januar 2018

Vorfahren des Lebendigen

Chemische Evolution

Auf geothermalen Feldern wie im hier Yellowstone-Nationalpark könnten auf der Ur-Erde erste RNA-Moleküle, die Vorboten des Lebens, entstanden sein. Bild: fotolia/Allen

Auf geothermalen Feldern wie im hier Yellowstone-Nationalpark könnten auf der Ur-Erde erste RNA-Moleküle, die Vorboten des Lebens, entstanden sein. Bild: fotolia/Allen

Vor dem Leben kam die RNA: Der NIM-Chemiker Prof. Dr. Thomas Carell und sein Team haben die ursprüngliche Entstehung dieser Erbgut-Bausteine aus simplen Molekülen simuliert; allein der Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit auf der Ur-Erde könnte diesen Prozess angetrieben haben.


Und die Erde war wüst und leer – bevor sich das Leben formte. Doch wie konnten vor etwa vier Milliarden Jahren die ersten einfachen Bausteine entstehen, die die Entstehung des Lebens in Gang setzten? Unter welchen Bedingungen fügten sich solche Moleküle zusammen, aus denen sich komplexere informationstragende Einheiten bilden konnten, die sich selbst vervielfältigen – Vorläufer des heutigen Erbmaterials? Wissenschaftler um Professor Öffnet externen Link in neuem FensterThomas Carell haben nun das Szenario für diese chemische Evolution erweitert, die der biologischen Stammesgeschichte vorausgegangen ist.

Danach reichen einfachste chemische Zutaten und Reaktionsbedingungen, wie sie auf der Erde vor Millionen von Jahren etwa auf geothermalen Feldern mit vulkanischer Aktivität im Untergrund zu finden gewesen sein dürften, um die Synthese sogenannter Nukleoside über eine ganze Reihe von Reaktionsschritten in Gang zu halten. Nukleoside sind wichtige Komponenten der Erbmoleküle RNA und DNA; Ausgangsstoffe dafür waren in den Versuchen, die die präbiotischen Bedingungen nachstellen sollten, Ameisen- und Essigsäure, Natriumnitrit und simple Stickstoff-Verbindungen. Auch brauchte es Metalle wie Nickel und Eisen, die in großen Mengen in der Erdkruste vorhanden sind. Angetrieben wurde die Kette der chemischen Reaktionen lediglich von Nass-Trocken-Zyklen, wie sie durch hydrothermale Quellen oder auch Dürre- beziehungsweise Regenperioden entstehen können.

Kernstück des Prozesses ist eine Reaktion zu sogenannten Formamidopyrimidinen, aus denen dann die Purine entstehen. Diesen FaPy-Pfad hatte Carells Team schon in einer früheren Arbeit beschrieben – als mögliches chemisches Szenario für die Entstehung von RNA-Bausteinen auf der Ur-Erde vor vier Milliarden Jahren. „Diesmal haben wir nicht nur einfachere Ausgangsstoffe gewählt, sondern auch darauf geachtet, dass alles in einer plausiblen geologischen Umgebung, wie zum Beispiel hydrothermalen Quellen an Land, ablaufen kann“, sagt Sidney Becker, Doktorand in Carells Team und Erstautor der Arbeit im Open-Access-Ableger des renommierten Fachmagazins Öffnet externen Link in neuem FensterNature Communications.

In den neuen Experimenten entstanden jedoch nicht nur die kanonischen Nukleoside, sozusagen die klassischen Bausteine der RNA, sondern gleichzeitig ein ganzes Set von eng verwandten Molekülen. Diese so genannten RNA-Modifikationen sind essentiell für ein funktionierendes genetisches System und deshalb in allen Tieren, Pflanzen und Bakterien zu finden. Bereits deren letzter gemeinsamer Vorfahre nutzte diese fundamentalen RNA-Bausteine für diverse biologische Prozesse. Das spricht laut Becker zusätzlich dafür, dass sie bereits zu Beginn der biologischen Evolution auf der Ur-Erde existiert haben mussten. Bisher war jedoch fraglich, wie und in welcher Umgebung sie entstehen konnten. Sie könnten, so folgern die Wissenschaftler, die entscheidenden Moleküle gewesen sein, die die chemische Evolution getriggert und die RNA-Welt sich haben entwickeln lassen. Noch heute, nach vier Milliarden Jahren, finden sich diese Strukturen als molekulare Fossilien in jedem Organismus, da sie eine Vielzahl an lebenswichtigen Funktionen übernommen haben und damit durch die Natur konserviert wurden.

Quelle: Pressestelle LMU


Publication:

Wet-dry cycles enable the parallel origin of canonical and non-canonical nucleosides by continuous synthesis. Sidney Becker, Christina Schneider, Hidenori Okamura, Antony Crisp, Tynchtyk Amatov, Milan Dejmek, Thomas Carell. Nature Communications, 2018; 9 (1) DOI: Öffnet externen Link in neuem Fenster10.1038/s41467-017-02639-1

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Carell
Lehrstuhl für Organische Chemie – Nucleic Acid Chemistry
Ludwig –Maximilians-Universität München
Butenandtstr. 5-13, Haus F
81377 München

Tel: +49 –(0) 89 – 2180 - 77750

Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailThomas.Carell(at)cup.uni-muenchen.de

Web: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.carellgroup.de/

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